Königlich Preußisches Infanterie-Regiment Nr. 32
v. Rothkirch in Neisse.
(Altpreußische Armee)

 

Unter König Friedrich Wilhelm I. eingeführt und von Friedrich dem Großen perfektioniert, teilte das Kantonreglement das preußische Staatsgebiet in feste Rekrutierungsbezirke – die sogenannten „Kantone“ ein. Jedem Infanterie- oder Kavallerieregiment wurde ein bestimmter Landstrich zugewiesen. Das Prinzip war einfach wie effektiv: Die männliche Bevölkerung eines Kreises war von Geburt an für das dort zuständige Regiment registriert (die sogenannten Kantonisten). Dies verhinderte die wilde, oft gewaltsame Werbung früherer Zeiten und schuf eine feste, planbare Reserve für die königliche Armee.

Nur wenige Kilometer östlich des Kreises Münsterberg lag das strategische Herzstück der Region: die Festungs- und Garnisonstadt Neisse. Als „Schlesisches Rom“ bekannt, war sie unter Friedrich dem Großen zu einer der modernsten und uneinnehmbarsten Festungen Europas ausgebaut worden – ein direktes Schutzschild gegen das habsburgische Österreich.

 

Neiße 1741

Neiße 1741 by Friedrich Bernhard Werner
 

Das Zusammenspiel zwischen dem ländlichen Kreis Münsterberg als personellem „Kanton“ und der Festung Neisse als militärischem Zentrum zeigt die Perfektion der friderizianischen Staatsmaschinerie um 1772. Durch die enge Verwebung von regionaler Herkunft und militärischem Dienst kämpften die Soldaten oft Seite an Seite mit Nachbarn und Verwandten aus der Heimat. Es war dieses hocheffiziente, wenn auch unerbittliche System, das Preußen zur europäischen Großmacht aufsteigen ließ.

Die blauen Uniformen der Soldaten hatten blaue, offene Aufschläge und weiße Unterkleider. Die Offiziere hatten eine breite, gebogene, goldene Tresse um den Hut. Die Grenadier-Mützen waren oben rot und unten paillefarben. Die Soldaten des Regiments wurden im Neißer und Münsterberger Kreis sowie in den dort liegenden Städten angeworben. Das Regiment blieb zwischen 1767 und 1770 vakant, bis es 1771 der Generalmajor Hans Christoph von Rothkirch erhielt. Er wurde Kommandant in Neiße und 1782 zum Generalleutnant befördert.


 

 

 

Infantrie Regiment Nr. 32 v. Rothkirch in Neiße.

Uniformen Officier und Gemeiner 1771

 

Als Kantonssoldaten wurden Dienstpflichtige anlässlich ihrer Konfirmation meist direkt durch den Pfarrer registriert und die Register alljährlich in den jeweiligen Kantonen aktualisiert. Registrierte zwischen 16 und 24 Jahren konnten im Rahmen der jährlichen Frühjahrsmusterung eingezogen werden, sobald sie eine Körpergröße von mindestens 1,73 Metern erreicht hatten.

Die Dauer der Dienstverpflichtung bestand zwar de jure ein Leben lang, im Regelfall dauerte sie allerdings „nur“ bis zu 20 Jahre. In Friedenszeiten hatten Kantonisten nach der zweijährigen Ausbildung eine jährliche Dienstpflicht von zwei Monaten zu erfüllen und waren für die restliche Zeit des Jahres ohne Sold von der Armee beurlaubt und konnten Ihrer Arbeit auf den Höfen nachkommen. Um heiraten zu können benötigten die Soldaten in dieser Zeit eine Heiratserlaubnis Ihres Vorgesetzten.
 

 

Eintrag der Trauunga auch im Regiementskirchenbuch 1772 in Neiße.

Eintragung der Trauung von Johann Nepomuk Bährisch & Johanna Theresia Krauß
aus Bärwalde vom 30. Juni 1772 als Grenadier in der 2. Compagnie
des Cap: v. Rappold im Regiments-Kirchenbuch von Neisse.

 

Trauung als von Johanes Nepomuk Bährisch in Bärwalde als Saldatz im 32. Infantrie Regiment 1772.

Trauung von Johann Nepomuk Bährisch & Johanna Theresia Krauß
vom 30. Juni 1772 als Soldat im Kirchenbuch von Bärwalde.